Saat und Ernte

 

Saat und Ernte

Ich denke ihr habt schon häufig vom Gesetz von Saat und Ernte gehört. Was man sät, das erntet man. Logisch wirst du jetzt sagen, wenn ich einen Sonnenblumenkern säe, dann möchte ich ja eine Sonnenblume heranziehen. Jeder Bauer der Weizen sät und Gerste ernten wollte, der würde als nicht ganz gescheit betrachtet werden.

Wie kommt es dann, dass dieses universelle Gesetz im Rahmen der Persönlichkeit, der Kommunikation und der Beziehung der Menschen untereinander nicht immer so selbstverständlich gelebt wird?

Wahrscheinlich liegt es an unserem Alltag. Wir sind so sehr damit beschäftigt zu rennen, zu hetzen und all unseren Verpflichtungen nachzugehen, dass wir immer mehr die Achtsamkeit verlieren, für Tatsachen, die so banale und logische Gesetze besagen. Aber warum ist das so? Wahrscheinlich ist die häufigste Antwort, die ich auf diese Frage in der Vergangenheit erhalten habe, diejenige, die beginnt mit „ja aber“ …

Mit „Ja aber“ wird gleich mal alles revidiert, egal was davor vielleicht an guten Gedanken da war. Ja aber der Nachbar hat…, ja aber der Papa hat angefangen…, Ja aber ich muss ja zuerst…, Ja aber das würde nur gehen, wenn… und schon kommen viele kleine Ausreden, die der kleine Teufel auf unserer Schulter uns in Ohr flüstert.  Häufig hat dieses Flüstern damit zu tun, dass andere irgendetwas getan haben. Dass das Umfeld in irgendeiner weise reagiert, wie wir es nicht erwartet haben.

Allerdings bleibt da die Frage, woher kommen denn diese Erwartungen? Haben wir uns wirklich die Mühe gemacht, vorher den richtigen Samen zu säen? Gab es vielleicht einen Teil der Kommunikation, der entweder nicht klar oder aber nicht wertschätzend war? Das ist sehr häufig so, und ich glaube, da können wir uns alle getrost an die eigene Nase fassen. 

Wir alle erleben im Alltag schnelle Kommunikation, kurz zwischen Tür und Angel mal schnell noch was los  werden, dem eigenen Mann im Bad noch eine Aufgabe zu rufen, die derjenige entweder nicht hören kann, oder aber durch seine Art der selektiven Wahrnehmen einfach nicht erfasst, und dann enttäuscht sein, weil derjenige die Aufgabe nicht erledigt. 

Noch besser wird das Ganze, wenn wir mal die schriftliche Kommunikation mit einbeziehen: hier noch eine Mail abhaken, da noch schnell auf eine Whatsapp antworten. Oftmals lesen wir gar nicht richtig durch, was der andere geschrieben hat, sondern wir haben unsere eigene Idee davon, was die Frage und dementsprechend die Antwort sein sollte. Wir sind damit beschäftigt, alles schnell noch zurückzugeben, wie auf einer nie enden wollenden Todo Liste. 

Dieses System funktioniert aber nicht auf Dauer, genauso wenig wie es beim Tennis funktioniert, den Ball „Hauptsache auf die andere Seite“ zu bringen. Es ist deutlich effektiver (und für das Spiel auch schöner), sich ordentlich zum Ball zu stellen, schön zu schlagen und dann den Ball auch noch ins richtige Feld und nicht nur auf die andere Seite zu pfeffern. Und wenn wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind, Dinge „abzuarbeiten“, dann bleibt nicht mehr viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was man da eigentlich sät.

Die Ernte wird dann um so unangenehmer: Streitigkeiten, Antworten, die uns nicht gefallen, Kritik, Vorwürfe (es sei dahingestellt, ob dies wirklich wahre Kritik ist, oder ob wir diese wiederum nur so wahrnehmen). Und wir fragen uns, warum passiert das mir? Warum tut derjenige das? Was soll der Mist? Anstatt vielleicht doch mal zu schauen, ob wir nicht das Samenkorn gelegt haben. Ich sage nicht, dass dies immer der Fall ist, aber nachdem wir den anderen nicht ändern können, macht es doch Sinn, mal zu schauen, was wir für ein Samenkorn gesät haben. Und wenn wir dies tun, dann könnten wir sogar daraus lernen für die zukünftige Saat.

Der Ursprung des Ganzen findet in unseren Gedanken statt, wir gehen meist schon im Vorfeld davon aus, wie die Welt ist. Wir haben unsere eigene Wahrnehmung, unsere Sichtweisen, und wir haben vor allem viele beständige Strukturen aus Gewohnheiten und Erfahrungen in uns, die uns immer und immer wieder sagen, wie unser Leben (und auch das der anderen) nun mal so ist.

Was könnten wir aber tun? Wir könnten zum Beispiel vor der Kommunikation erstmal darüber nachdenken: Um was geht es genau, was habe ich wirklich dazu zu sagen, in wieweit habe ich eine vorgefertigte Meinung? Und wenn ich dann kommunizieren möchte, dann mit Wertschätzung. So können wir schon sehr viel erreichen und wir ernten auf jeden Fall mal, das was wir gesät haben: Freundlichkeit, Offenheit und Wertschätzung. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, dann können wir immer noch nachfragen, was der Grund für die von uns wahrgenommene „Unhöflichkeit“ ist und in der Mehrheit der Fälle wird sich diese auflösen.

Ein weiteres Beispiel kennen wir auch aus dem Bereich Zuverlässigkeit. Wenn ich jetzt zum Beispiel ein eher unzuverlässiger Mensch wäre: ich halte Termine nicht ein, sage kurzfristig ab, vergesse einfach mich zu melden und tue dies wiederholt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mich immer zuvorkommend behandeln? Immer wieder Nachsicht mit mir haben, mir immer wieder hinterherrennen und eben neue Termine mit mir machen, voller Verständnis und Toleranz? Wenn ich Unzuverlässigkeit säe, dann werde ich diese früher oder später auch ernten. Passiert das immer gleich und bei jedem einzelnen kleinen Gedanken? Natürlich nicht, wie immer geht es um Konstanz, im Guten wie im weniger Guten. 

Wenn wir kontinuierlich anderes säen als wir eigentlich ernten möchten, dann bekommen wir auch die entsprechende Ernte. Das Schöne ist, auch dann ist das Kind noch nicht in der Brunnen gefallen oder die Spreu vom Weizen getrennt (um mal bei der Ernte zu bleiben). Denn auch dann können wir reflektieren, wie viel in unseren Gedanken zu diesem Ergebnis geführt. In meinen Trainings sage ich immer „Denken-Machen-Fühlen“, heute möchte ich jedoch schließen mit dem passenden Zitat von Gottfried Keller:

„Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Tat, übermorgen die Gewohnheit, danach den Charakter und letztendlich sein Schicksal.“

In diesem Sinne, lasst und mal auf unsere Gedanken und unsere Samenkörner kümmern. 

 

 

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