Theater und Abgrenzung

 

Theater– was Abgrenzung mit dem Publikum zu tun hat

Vor einigen Tagen hatte ich mal wieder ein interessantes Gespräch zum Thema Abgrenzung. Es ging um störende Nachbarn, die in keinem Fall – trotz der subjektiven Bemühungen wie z.B. freundlich sein, wütend sein, direkt sein, bitten, Briefe schreiben etc. – ihr Verhalten auch nur im Ansatz ändern wollten und weiterhin, sich (wiederum subjektiv) störend verhalten wollten.
Wie ist das nun also mit der Abgrenzung, was können wir in solch einer Situation tun?

Haben wir solche Situationen häufiger, so dass es sich überhaupt lohnt, sich darüber Gedanken zu machen? Ich denke ja, denn in meinen täglichen Gesprächen komme ich immer wieder auf diesen Punkt. Mal geht es um die Nachbarn, mal um den Kollegen, um den Chef, die Schwester, die Tante oder eben einfach um eine Freundin. Die Fälle sind zahlreich, facettenreich und doch folgen sie alle demselben Muster. Es geht um eine „fremdgesteuerte“ Situation, die das Wohlbefinden der Person stört, die sie gerade erlebt. Und genau deswegen schauen wir uns das heute ein weniger genauer an.
Wir fangen also einfach mal an, was passiert in solchen Momenten eigentlich in unseren Köpfen?

Wir fühlen uns irgendwie unwohl, jemand greift ganz offensichtlich, also in unserer Wahrnehmung, in unseren Lebensbereich ein, ohne, dass wir das wollen und ohne, dass wir das beeinflussen können. Wir fühlen uns gestört, irritiert und vor allem manchmal auch hilflos. Die natürliche Reaktion auf solch eine Situation ist: zu erst einmal ignorieren. Manche Menschen sind darin besser, andere weniger gut, es ist aber in jedem Fall ein guter Reflex, das Störende einfach mal auszublenden und darauf zu zählen, dass es von allein weg geht. Nun würden wir wahrscheinlich nicht darüber sprechen, wenn es immer so einfach wäre.

Die zweite Reaktion der meisten ist auch noch sehr freundlich: wir gehen in den Dialog, das heißt wir versuchen auf freundliche Art, dem gegenüber zu erklären, warum wir uns gestört fühlen und erhoffen uns mit einer Bitte, dies zu unterlassen, eine direkte Reaktion. Bei einigen wird es jedoch hier schon ein wenig anstrengender, denn in den Dialog zu gehen und nicht in die Konfrontation ist nicht immer einfach.
Ich sage übrigens nicht, dass Konfrontation negativ ist, jedoch neigen wir Menschen dazu, wenn wir uns gestört und im Recht fühlen, die wertschätzende Kommunikation ein wenig zu unseren Gunsten auszudehnen. Nicht selten wird dann nicht mehr so wertschätzend kommuniziert, sondern es handelt sich um handfeste Kritik oder einen Vorwurf. 

Da es sich aber um eine Empfindung handelt (wir fühlen uns gestört), kann es gut sein, dass diese Kritik nun auf nicht unbedingt offene Ohren stößt, da der andere diese Situation vielleicht gänzlich anders empfindet. Und schon sind wir in einer echten Konfrontation, die mehr auf Recht haben beruht und selten zu einer Lösung der Situation beiträgt.
Nichtsdestotrotz ist es natürlich die beste Herangehensweise, offen, ehrlich aber vor allem wertschätzend dem anderen seine Empfindung mitzuteilen. Wichtig dabei ist jedoch wirklich bei sich selbst zu bleiben, denn es ist und bleibt unsere Interpretation der Dinge, und das Weltbild von uns selbst anderen überstülpen zu wollen, so logisch es uns auch erscheint, ist nicht sinnvoll und führt zu Widerstand. Also bei den eigenen Empfindungen bleiben, diese wertschätzend mitzuteilen und einen Vorschlag machen, der vielleicht für beide annehmbar ist.

Jetzt kommen wir aber an den Punkt, da diese Unterhaltung ohne positive Lösung für beide Seiten verblieben ist. Das ist der Moment, in dem die meisten richtig wütend werten, es folgen teils sogar Rechtsstreitigkeiten, Verleumdungen und vor allem eine Menge negativer Energie, die da so durch die Straßen und Vernetzungen der heutigen Gesellschaft schießen. Hilft diese Energie wirklich? Kostet das nicht einfach nur furchtbar viel Kraft, die wir doch eigentlich für positive Dinge nutzen könnten?
Es lohnt, sich dies immer wieder vor Augen zu führen. In sehr seltenen Fällen lohnt es sich wirklich, in den Kampf zu ziehen, denn die unglaubliche Lebensenergie, die wir dabei auf dem Weg lassen, ist in keinster Weise kompensiert durch die Bestätigung „recht zu haben“ oder vielleicht ein paar Euro. Wir werden durch negative Energie definitiv nicht die Gedanken des anderen ändern.
Wir können überhaupt nicht die Gedanken oder das Verhalten der anderen ändern, wir können lediglich unsere Einstellung dazu ändern.
Sind wir mal ehrlich. Wir wissen nicht was in deren Köpfen vorgeht, was deren Geschichte ist. Wir haben keine Ahnung, was sie durchlebt haben, was ihre aktuelle Situation ist, was sie empfinden und was die Hintergründe dazu sind. Letztendlich kann uns das aber auch egal sein. Und zwar nicht, weil wir ignorant sind, sondern weil wir die wertschätzende Kommunikation und vielleicht sogar Hilfestellung bereits versucht haben.

In solchen Fällen habe ich gerne mal ein Bild im Kopf, das ich heute mit euch teilen möchte. Es gibt Menschen, die brauchen immer eine Bühne. Ob unbewusst oder bewusst sei dahingestellt. Jedoch gehe ich davon aus, dass sehr viel sich im Unbewussten abspielt, wie so oft bei komplexen Handlungen und Herausforderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Es gibt also Menschen, die spielen Theater. Was ist das Besondere, wenn jemand gerne Theater spielt? Es ist das Publikum. Es lohnt sich nur, auf der Bühne im Theater zu stehen, wenn es im Publikum Menschen gibt, die darauf reagieren.
Dabei ist nicht unbedingt wichtig, ob sie Tomaten werfen oder applaudieren, aber sie reagieren. Natürlich mögen die meisten gerne Applaus, aber nichts ist schlimmer als gar keine Reaktion. Sonst würde es ja auch nicht so viele Menschen geben, die sich durch Provokation, Fremdschämen oder (gespielte) Dummheit eine goldene Nase verdienen. Die Reaktion des Publikums gibt den Darstellern die Berechtigung auf der Bühne zu stehen und den Menschen, die es tun einen Sinn für ihr Handeln. Was passiert jedoch, wenn das Publikum aufsteht und geht? Wenn nach Beginn der ersten Sätze des ersten Aktes, die Menschen im Publikum keine Beachtung mehr schenken. Wenn es kein Publikum mehr gibt? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann Theaterspielen keinen Spaß mehr macht. Was bringt es auch, sich anzustrengen und alles zu geben, wenn es niemand mitbekommt?

Wenn wir es also schaffen, in einer Situation, in der wir irgendwie nicht mehr weiter kommen, wir uns gestört fühlen und auch machtlos, uns an die Theater Bühne zu erinnern, was können wir dann tun? Richtig, wir können das Publikum verlassen und uns nicht mehr damit beschäftigen. In fast allen Fällen, die ich inzwischen sowohl persönlich als auch in unzähligen Trainings-Gesprächen erfahren habe, ist die Situation sofort um ein vielfaches entschärft und entspannt sich nach ein wenig Zeit von selbst, wenn keine Bühne mehr geboten wird.
Woran liegt das denn? Warum ist dieses Erlebnis und die Reaktion des Publikums so wichtig?

Wie so oft geht es um den tiefen Wunsch nach Anerkennung. Wir alle haben ihn in uns, die einen mehr, die anderen weniger. Die einen sind sich dessen bewusst, die anderen rennen noch der einen oder anderen Anerkennung von außen hinterher. Der erste Schritt ist immer bei uns selbst. Je mehr wir über uns selbst wissen, unsere Strukturen kennen, unsere „Knöpfe“, die unsere Mechanismen auslösen, einschätzen können, desto sicherer werden wir im Umgang mit uns selbst und dadurch auch im Umgang mit anderen.

Wie wäre es also, wenn du das nächste mal in solch einer Situation einfach mal an ein Bühnenstück denkst und für dich entscheidest „nein ich gebe keine Bühne“ und einfach deine Aufmerksamkeit entziehst? 

Es ist einen Versuch wert, denn wir kennen ja den Spruch „where focus goes, energy flows“ und dann investieren wir unsere Energie doch lieber in ein wirklich gute Theaterstück, welches uns echte Freude bereitet.

In diesem Sinne, bis bald und keine Bühne. HAPPY END. 

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